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Assia Djebar wurde 1936 in der Küstenstadt Cherchell bei Algier als Fatima-Zohra Imalayene geboren. Diesen Namen tauschte sie 1956/57 ein: Damals solidarisierte sich die erste Algerierin an der Elite- Hochschule Ecole Normale Superieure in Sevres bei Paris mit dem algerischen Befreiungskampf. Als ihr Bruder in Algerien verhaftet wurde und in französische Gefängnisse kam, schrieb sie 1957 ihren ersten Roman: "La Soif" (deutscher Titel: "Die Zweifelnde", 1993). Das Debüt machte sie berühmt. Auch andere Werke, unter anderem "Les Impatients" ("Die Ungeduldigen", 1958), arbeiten den Unabhängigkeitskampf und die Lage algerischer Frauen auf.
1958 heiratete Djebar einen Widerstandskämpfer und wechselte später an die Universität in Rabat/Marokko. 1960 entstand ihr erstes Theaterstück, 1962 wurde sie Lektorin für nordafrikanische Geschichte an der Uni Algier, ehe sie 1965 nach Paris ging. Früh, 1967, kam sie zu der Erkenntnis, dass
"nach dem Ende des Kriegs der Völker noch der Krieg der Geschlechter" bleibe.
1974 kehrte sie in ihre Heimat zurück, lehrte Theaterwissenschaften und betrieb nach ihrer Scheidung historische Forschung über Familien- und Frauenbiografien.

Für ihren ersten Film für das algerische Fernsehen über den Stamm ihrer Mutter (den Beni Menacer) erhielt sie 1979 auf der Biennale von Venedig den
Preis der internationalen Kritik. Nach einer zehnjährigen Schreibpause und ihrer Heirat mit dem algerischen Dichter Malek Alloula folgten in den 80ern wieder neue Romane, darunter "Die Frauen von Algier" (1994). Für ihr Gesamtwerk erhielt sie 1996 von einer internationalen Jury an der Universität Oklahoma den bedeutendsten Literaturpreis der USA, den Neustadt- Literaturpreis.

Assia Djebar erhielt am 22. Oktober 2000 in Frankfurt/Main den
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die 64-Jährige erhielt den renommierten, mit 25.000 DM dotierten Preis für ihr Gesamtwerk, das eng mit der algerischen Geschichte und der Rolle der Frau im Islam verbunden ist.
Laut Preis-Jury hat die Schriftstellerin "mit ihrem Werk ein Zeichen der Hoffnung für die demokratische Erneuerung Algeriens, für den inneren Frieden in ihrer Heimat und für die Verständigung zwischen den Kulturen gesetzt". Die in Frankreich und den USA lebende Djebar habe, "den vielfältigen Wurzeln ihrer Kultur verpflichtet, einen wichtigen Beitrag zu einem neuen Selbstbewusstsein der Frauen in der arabischen Welt geleistet". Nach den Worten des Vorstehers des Börsenvereins des Buchhandels, Roland Ulmer, gab Djebar "den Gefolterten und Ermordeten Algeriens ihre Stimme", auf die die Welt höre.

Die Laudatio hielt die von Djebar vorgeschlagene österreichische Autorin Barbara Frischmuth. Sie würdigte Djebars Gesamtwerk, das von einem "unbändigen Drang nach der Freiheit des Wortes und der Freiheit des Blicks" bestimmt" sei.
Frischmuth gratulierte der Preisträgerin "aufs Schwesterlichste" und nannte Djebars Gesamtwerk "unverzichtbar". Die Arbeit der "
Frau, Dichterin, Historikerin, Filmemacherin, Schriftstellerin und Intellektuellen" Djebar sei von einem "unbändigen Drang nach der Freiheit des Wortes und der Freiheit des Blicks" bestimmt.
Zudem verband Djebar nach Frischmuths Worten die Sprache der Berber sowie Französisch und Arabisch mit der "vierten Sprache" der jungen Frauen und Mädchen, der "Sprache des weiblichen Körpers, der verhüllt, umwickelt und eingeschnürt worden war". Djebar hat in ihrer Literatur nach Frischmuths Worten die "Spur des Missbrauchs" verfolgt - "des gesellschaftlichen, patristisch argumentierenden Missbrauchs des Weiblichen, des Missbrauchs des Religiösen als politischer Kategorie, vor allem aber des Missbrauchs der Sprache".

Assia Djebar verfolgte mit mancher Träne im Auge die Ansprachen und stellte in ihrer Dankesrede die
Notwendigkeit von Unabhängigkeit und Emanzipation der Frau, vor allem im Islam, heraus. Sie äußerte die Hoffnung, dass die algerischen Frauen "durch ihre Leiden und durch ihre Rede" das Land aus der Herrschaft der Gewalt befreien und einen "Frieden der Gerechtigkeit und gegen das Vergessen" erreichen werden. Schon der Koran berichte, dass Frauen mit der Gabe der Rede Wahrheit und Freiheit schenken könnten. In ihren Büchern habe sie aber auch beschrieben, wie seit den 80er Jahren die "bleierne Stummheit der algerischen Frauen" wieder zurückkehre. Schreiben sei ein "Alarmsignal", Zwiesprache mit den Opfern der Gewalt, "und solange man selbst lebt, durchströmt einen das Bedürfnis zu erzählen als einziger Antrieb".

Djebar ist die zweite Friedenspreisträgerin aus Afrika.

 

"Im Grunde geht es (...) um einen Vorbehalt, der weder bedacht noch rational ist, kurz, um ein 'Nein' des Widerstands, das manchmal in einem aufkommt, bevor der Verstand eine Rechtfertigung dafür gefunden hat. Ja, dieses dauerhafte innerliche 'Nein' (...) erscheint mir als Fundament meiner Persönlichkeit und meiner literarischen Dauerhaftigkeit. (...) Beim Schreiben kenne ich nur eine Regel (...): nämlich zu schreiben, nur aus Notwendigkeit. Schreiben als ein Graben in die Tiefe, als Vordringen ins Dunkle und Ungewisse! Gegen etwas An- Schreiben, ein Schreiben im Widerspruch, in der Auflehnung (...). Dieses 'Gegen' ist zugleich ein 'Hin zu', das heißt, ein Schreiben der Annäherung, des Zuhörens, des Bedürfnisses nach Nähe... Es will menschliche Wärme einfangen, Solidarität, doch dieses Bedürfnis ist zweifellos utopisch, denn ich stamme aus einer Gesellschaft, wo die Beziehung zwischen Mann und Frau außerhalb der Familie von so viel Härte und Schroffheit geprägt ist, dass es einem die Sprache verschlägt!(...) Mit oder trotz der so genannt 'fremden' Sprache musste ich an mein Land alle Fragen stellen (...) zu seiner Geschichte, seiner Identität, zu seinen Wunden, seinen Tabus, zu seinen verborgenen Schätzen und zur kolonialen Enteignung während eines ganzen Jahrhunderts. Dabei ging es nicht um Protest, nicht um Anschuldigungen. (...) Es ging lediglich um die Erinnerung, um diese Tätowierungen durch Revolte und Kampf. (...) Mein Ziel war, die bleierne Stummheit der algerischen Frauen spürbar zu machen, die Unsichtbarkeit ihrer Körper, denn auch sie kehrte zurück, zusammen mit einer rückschrittlichen, nach außen abgeschotteten Tradition. (...) Als ich mich wie eine Immigrantin in einer Vorstadt von Paris niederließ, hatte ich mir nicht vorgestellt, dass ich mich in den folgenden Jahren mit den Wechselfällen, den Entladungen, dem Wahnsinn und dann... mit der Gewalt und den tagtäglichen Morden befassen würde, wie wir sie in den Spalten der Tageszeitung lesen konnten und die das Gesicht meines Landes verzerrten! (...) Mitte Juni 90 (...) siegten die Fundamentalisten des FIS tatsächlich bei den Kommunalwahlen! Mein Traum von einem offenen, egalitären Islam, so schien es mir jetzt, war aus meinen Worten erstanden wie eine Sandburg! (...) Wie soll ich von den acht Jahren des algerischen Wahnzustands sprechen, die folgten und auch in meinen Büchern Widerhall fanden? Wie von meinem Leben sprechen, das fortan dem Exil geweiht ist? (...) Denn die Schrift, damit meine ich das Geschriebene in jeder Literatur ebenso wie jede Form von erleuchtendem Sprechen, teilt die Trauer oder das Verbrechen nicht einfach mit. Das Geschriebene ist ja keine wortreiche Inschrift auf einer Grabplatte, (...) Nein, das Schreiben, (...) ist ein Alarmsignal, ein Hilferuf (...). (...) Es ist die schwebende Zwiesprache mit dem Freund, auf den die Hacke niederging, in dessen Kopf die Kugel einschlug (...). Schreiben ist also ein Tanz mit Phantomen, und solange man selbst lebt, durchströmt einen das Bedürfnis zu erzählen als einziger Antrieb. (...) Es gibt diese Kraft, die kaum sichtbar, ungreifbar und für die Tagesaktualität so uninteressant ist, mir scheint, dass sie mir Kraft gibt: die klare, zerbrechliche Kraft des Schreibens. Oder, in meinem Fall, das noch unerkannte, lastende Schweigen der Musliminnen, das vor diesem Schreiben liegt. (...) Auf den Spuren dieses Koranverses werden die in Algerien lebenden Frauen durch ihre Leiden und durch ihre Rede der Wahrheit uns aus der Zwinge dieser schrecklichen Jahre befreien. Damit der Friede bald wiederkehrt, ein Friede der Gerechtigkeit und gegen das Vergessen, möchte ich heute diesen Friedenspreis (...) folgenden verstorbenen algerischen Schriftstellern widmen: dem Romanautor Tahar Djaout, dem Dichter Youssef Sebti und dem Dramatiker Abdelkader Alloula, die alle drei in den Jahren 93 und 94 ermordet wurden. Ich widme ihn auch dem ersten von uns Literaten aus dem Maghreb, Kateb Yacine, dem Dichter, Romanautor und Dramatiker, der 1989 starb. (...)"

© 30. Oktober 2000 J. A.